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Aussichtsturm

Der Aussichtsturm ist im Jahre 1893 "zum Zwecke, die Naturschönheiten des Sauerlandes zu erschließen und dem Publikum Lust und Liebe zu Wanderungen durch Berg und Tal einzuflößen" errichtet worden. Der Turm ist 23 Meter hoch. Bauherr war der Sauerländische Gebirgsverein Halver (SGV). 1911 übernahm die Gemeinde Halver den Turm. Bei gutem Wetter kann man sogar den Kölner Dom sehen.

Der Turm kann derzeit leider nicht bestiegen werden.

Spendenaktion des Heimatvereins

Aussichtsturm

Spendenaktion Aussichtsturm

Der Heimatverein Halver e.V. setzt sich für den Erhalt des Aussichtsturms der Karlshöhe ein. Mit einer Spende auf das Sonderkonto "Initiative Aussichtsturm" können auch Sie sich für den Erhalt des Turms einsetzen. Jeder Euro trägt dazu bei, dass Halver auch in Zukunft ein schönes Wahrzeichen hat.

Aussichtsturm

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Für das Navi:

  • Aussichtsturm, Frankfurter Straße 90, 58553 Halver

Weiter Infos:

Der Heimatverein hat für die Sanierung des Aussichtsturms ein Spendenkonto "Initiative Aussichtsturm" eingerichtet.

Geschichte des Aussichtsturms - von Johannes Mathies

Was mag die Planer vor über 100 Jahren wohl bewogen haben, auf der nahe liegenden höchsten Kuppe vom damals noch recht kleinen Ort Halver einen so schönen Aussichtsturm zu errichten? Will man dieser Frage nachgehen, ist es sicher erforderlich, einen kleinen Rückblick in die damalige Zeit zu halten.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Halver und unsere nähere Umgebung gerieten, wenn vielleicht auch etwas gedämpfter als manche Städte und Gegenden. mit in den Sog, den der starke wirtschaftliche Aufschwung nach der Reichsgründung 1871 auslöste. ln einem regelrechten Gründungsfieber wurde viel gebaut; nicht nur Gebäude, sondern auch Straßen und Eisenbahnen, wie die Volmetalbahn Hagen -Brügge 1874 und die Kreis - Altenaer - Eisenbahn von Halver nach Schalksmühle 1888.

Schon 1892 konnten in Halver in dem neuerbauten Krankenhaus in 20 Pflegebetten Schwerkranke betreut, ja bereits operiert werden. Neue Schulen waren gebaut worden. Auf der Karlshöhe, wo später in unmittelbarer Nähe der Aussichtsturm errichtet werden sollte, wurde 1887 ein großer Festsaal gebaut. Kurzum, es war hier wie überall eine Aufbruchstimmung vorhanden.

Gründung des SGV

So ist es nicht verwunderlich, dass sich im Sommer 1891 Männer (so weit bekannt war damals keine Frau dabei) zusammenfanden, die zunächst unter der Bezeichnung "Verschönerungsverein" die Abteilung Halver des SGV gründeten, um die allgemeine positive Entwicklung noch weiter zu fördern. Nachdem sich dieser Verein am 16. Oktober 1891 konstituiert hatte, wurde schon sehr bald beschlossen, einen weithin sichtbaren Aussichtsturm zu bauen.

Bauantrag

Unterlagen zum Bauantrag

ln den Akten der Stadt Halver befindet sich mit Datum vom 10. August 1892 ein Schreiben:. "Gesuch des hiesigen Verschönerungsvereins  (Abtheilung Halver des SGV) betr. Genehmigung des Baues eines Aussichtsturmes auf der sog. Küsterei oder Karlshöhe hierselbst Flur XXIX No 105 Steuergemeinde Halver."

Nach kurzen Erläuterungen heißt es dann: "Da der Unternehmer, Herr Brückmann hierselbst, den Bau möglichst schnell in Angriff nehmen will, so bitten wir, die Erlaubnis möglichst umgehend zu erteilen." Für den Verschönerungsverein Halver hat als Vorsitzender Dr. Gontermann unterschrieben. (Dr. Gontermann war als Arzt 20 Jahre in Halver insbesondere im damaligen Krankenhaus tätig.)

Das vorstehend erwähnte Schreiben ist am 11.8.1892 - also einen Tag später - beim Amt Halver eingegangen. Noch am gleichen Tage wird vom Amtsbeigeordneten verfügt: "Bauerlaubnis ist in vorgeschriebener Form zu erteilen." Die beigefügten Bauzeichnungen erhalten den Vermerk: "Zur Bauerlaubnis vom heutigen Tage gehörig, Halver, den 11. August 1892, Der Amtmann I.B. der Amtsbeigeordnete vom Heede."

Das Siegel des Amtes Halver bestätigt den amtlichen Vorgang, der für uns heute nicht mehr vorstellbar ist. Ein Bauantrag, der am Vortage gestellt worden ist, wird am folgenden Tag mit allen Konsequenzen genehmigt. Die Bauarbeiten konnten also beginnen.

Standort

Der Standort "auf der Küsterei" war sehr gut gewählt. Die Höhe beträgt hier 438,5 m. Der Bauplatz lag bei Errichtung des Turmes nah beim Ort Halver, während er heute ja schon zum Randgebiet der geschlossenen Bebauung gehört.

Der Name "Auf der Küsterei" könnte nach Frommann: "Wallburgen im Volme- und Lennegebiet" abgeleitet sein von "Custodio" = Wachtturm und darauf hindeuten, dass unser Aussichtsturm am gleichen Ort schon einen Vorgänger hatte. Nach Alfred Jung war die Parzelle, auf der unser Turm steht, früher Kirchenland und wurde vom Küster landwirtschaftlich genutzt. - So einfach kann auch eine mögliche Erklärung des Namens sein. -

Um bei Namen zu bleiben, gleich noch die Erklärung der Bezeichnung "Karlshöhe". Wie schon vorher erwähnt, wurde im Jahre 1887 dort ein großer Festsaal gebaut, der allerdings Anfang der 30er Jahre abgebrannt ist. Bauherr dieser Festhalle war. KarI lsenburg. Daher entstand dann der Name "Karlshöhe".

Mut und Wille

Doch nun zurück zu unserem Turm. Es gehören sicher Mut und auch ein fester Wille dazu, solch ein Bauwerk in Angriff zu nehmen. Galt es doch zunächst, den notwendigen finanziellen Rückhalt sicherzustellen. Dabei wurde mit gleicher Methode vorgegangen wie auch heute noch. Es wurde eifrig gesammelt, aber auch großzügig gestiftet. Überschüsse von Festen konnten ebenso verbucht werden wie auch erhebliche Unterstützungen von auswärtigen Freunden. Der Oberpräsident der Provinz genehmigte zudem eine Lotterie zum Besten des Baufonds.

In der Sitzung am 15. Mai 1892 hatte der Plan des Architekten Mucke aus Hagen die Zustimmung zur Errichtung des Turmes durch den SGV gefunden. Die Baukosten wurden mit 5600 Mark veranschlagt. Für damalige Zeiten sicher eine beträchtliche Summe. - Ja und so alt war die Mark noch gar nicht. Zum 1. Januar 1875 trat durch Erlass des Finanzministers in Berlin die Reichsmarkrechnung in Kraft. Die bis dahin vertraute Thaler-Währung hörte auf zu existieren. Auch die Zwölfteilung des Groschens musste dem Dezimalsystem weichen.

Baubeginn

Baubeginn

Genaue Daten über den Baubeginn liegen uns nicht vor. Über die Bauausführung wird an anderer Stelle in dieser Schrift berichtet. Hier soll nur noch kurz erwähnt werden: Etwa 200 cbm Steine mussten unter schwierigen Bedingungen für den Bau zur Karlshöhe transportiert und dort verarbeitet werden. Deshalb gilt unsere Hochachtung noch heute denen, die das große Werk vollenden konnten.

Der in Ziegelbauweise errichtete Turm, der ohne die in den Boden eingelassenen Fundamente eine Höhe von 23,50 m hat, wirkt auf den ersten Blick wie der Eckturm einer Burganlage (wie neulich Besucher aus München feststellten); andererseits hat der Architekt Mucke es sehr gut verstanden, durch die vielen Fensteröffnungen, Friese und Gesimse und auch Balkone das massive Bauwerk leichter und zierlicher wirken zu lassen. Ein gelungenes, weithin sichtbares Wahrzeichen für Halver war entstanden.


Einweihung

Da war es nur selbstverständlich, dass zur Einweihung eine große Feier stattfand. ln einem Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1933 ist abgedruckt. was die "Halversche Zeitung" einen Tag nach der Einweihung im Jahre 1893 berichtet hat. Es heißt dort auszugsweise: "Die gestern (10. Juli) stattgefundene Feier zur Eröffnung des Aussichtsturmes nahm den schönsten Verlauf." Es folgt dann eine Aufzählung über anwesende Gäste und die vielen gehaltenen Reden mit Hochrufen auf den SGV und auch auf den Kaiser. "Die Erbauer des Turmes wurden gefeiert, der Architekt Mucke, der den Plan gemacht, Stadtbaumeister Falkenroth, der die Aufsicht auf den Bau gehabt und Bauunternehmer Brückmann, der denselben ausgeführt hat."

"Zur Feier gehörten mehrere Gelage wie Frühschoppen und Festessen. Zum Schluss begab man sich in die Anlagen der Herpine, wo die Musik konzertierte, hübsche Lieder gesungen wurden und Bürgermeister Selbach aus Lüdenscheid unter deutschen Eichen dem deutschen Vaterland ein Hoch brachte. Abends wurde der Turm bengalisch beleuchtet und sonstiges Feuerwerk abgebrannt. Den Schluss der Feier bildete ein FestbalL Das ganze Fest hat bei sämtlichen Teilnehmern vollste Befriedigung erweckt." So wurde damals gefeiert.


Übertragung an die Gemeinde Halver

Eine wesentliche Änderung ergab sich im Jahre .1911. Mit Schreiben vom 12. April 1911 bat der damalige Vorstand der SGV-Abteilung Halver die Gemeindevertretung, den Aussichtsturm in das Eigentum der Gemeinde Halver zu übernehmen; der SGV bot der Gemeinde den Turm als Geschenk an. Man wies darauf hin, dass noch Anteilscheine am Turm existierten, die Inhaber dieser Anteilscheine seien unbekannt, aber man sei sicher, dass diese Inhaber ihre Rechte und Pflichten gerne an die Gemeinde abtreten würden.

Am 11. Mai 1911 hat die Gemeindevertretung beschlossen, den Turm in das Eigentum der Gemeinde Halver zu übernehmen. Dafür waren jedoch noch einige Hindernisse aus dem Wege zu räumen, denn das Grundstück. auf dem der Turm steht, gehörte Dr. med. Gontermann und der war bereits im Jahre 1899 im Alter von 55 Jahren verstorben. Beim Amtsgericht war zu erfahren, dass der Sohn, ebenfalls ein Arzt, dessen Ehefrau und seine Schwester Eigentümer der Parzelle geworden waren. Nach entsprechenden Erklärungen konnte das Grundstück im Mai 1912 aufgelassen und somit auf die politische Gemeinde Halver übertragen werden.

20 Pfenning Eintritt

Den Verkauf der Eintrittskarten übernahmen die Gaststätten Karlshöhe und Herrmannsruh zum Preise von 20 Pfennig für Erwachsene und 10 Pfennig für Kinder.

Das Abbrennen von Feuerwerken zu festlichen Veranstaltungen gestattete die Gemeindevertretung durch Beschluss vom 25. Juli 1912 unentgeltlich. Davon machte danach die Schützengesellschaft Halver an den Schützenfesttagen Gebrauch.


Vorübergehend geschlossen

Ein förmlicher Behändigungsschein mit anliegendem Genehmigungsbescheid gab dazu den Weg frei. Der damalige Polizei-Sergeant Plate hatte unter Berufung auf seinen Diensteid zu bescheinigen, dass er das Schriftstück auch ausgehändigt hatte. Auf den ersten Blick mutet es eigenartig an, dass für den Turm auch Beiträge zur Feuerversicherung zu zahlen waren, aber da sich im inneren Bereich Holztreppen befanden, war dies sicher auch notwendig. Diese Holztreppen stellten schon bald einen Schwachpunkt dar. Der Polizei-Sergeant Pohlmann teilte der Gemeindeverwaltung am 30.11.1916 mit, dass die Treppen schlecht sind und notwendig erneuert werden müssen. Der Turm wurde vorübergehend geschlossen.

1. Weltkrieg

Vielleicht hätte die Schließung lange gedauert, wenn nicht im September 1917 die Militärverwaltung ihre Absicht erklärt hätte, auf dem Turm eine Flugzeugbeobachtungsstation einzurichten. Die Gemeinde ließ daraufhin die Kosten abschätzen, die für eine Reparatur der Treppen anfallen würden. Man einigte sich wohl dahingehend, dass sowohl Militärverwaltung als auch die Gemeinde jeweils die Hälfte der für die Reparatur erforderlichen 600 RM zahlen mussten.

Erste Sanierung

Nach dem 1. Weltkrieg konnte der Turm wieder bestiegen werden. Im Jahre 1919 waren es ca. 370 zahlende Besucher. Im Mai 1921 erhielt Amtmann Thomas einen bitterbösen Brief, in dem der Verfasser den sehr schlechten Zustand des Aussichtsturmes beschrieb. Um dem Nachdruck zu verleihen, hat der Schreiber auch den Allgemeinen Anzeiger und die Halversche Zeitung gleichlautend informiert.

Eine Kostenschätzung für die vorläufig notwendigsten Reparaturarbeiten ergab eine Summe von 7000 RM. Die Gemeindevertretung bewilligte am 23. Juni 1921 die erforderlichen Mittel, allerdings mit dem Hinweis, vorweg die Mittel aus dem Fond für die Unterhaltung des Turmes in Anspruch zu nehmen. Erste Überlegungen zum Einbau einer Eisenbetontreppe führten noch zu keinem Ergebnis.


Eintritt: 33.000 Mark!

Ausscihtsturm

Das Jahr 1923 war für alle Menschen und alle Bereiche, so auch für die Bewirtschaftung des Aussichtsturmes wegen der galoppierenden Inflation sehr schwierig. Die Gemeindeverwaltung verfügte am 31.03.1923, die Gebühren für die Eintrittskarten zum Besuch des Aussichtsturmes ab 1.4.1923 von 1 Mark auf 10 Mark zu erhöhen.

Bereits am 28.8.1923 wurden die Beträge auf 10.000 Mark für Kinder und 20.000 Mark für Erwachsene angehoben. Die Beiträge für die Feuerversicherung stiegen bis zum Oktober 1923 auf 33.000 Mark. Für das III. Quartal 1923 waren 1.500.000.000 Mark an Steuern zu zahlen. Wer vermochte unter diesen Umständen noch Eintrittspreise festzusetzen? Mit Wirkung vom 1. Januar 1924 wurde die Goldmark- Währung eingeführt. Ab Februar 1924 betrug der Eintrittspreis für den Turm wieder 20 Pfennig für Erwachsene und 10 Pfennig für Kinder.

Mit Einführung der stabilen Währung fehlte es wohl überall an Geld. So ist zu verstehen, dass am 14. Oktober 1924 die Polizeibeamten angewiesen wurden, an Sonn- und Feiertagen zu kontrollieren, ob die Besucher des Aussichtsturmes über Eintrittskarten verfügten. Das hat aber noch zu keinem ordentlichen Ergebnis geführt, denn am 30. Oktober 1924 führte der Gastwirt Kurt Theimann, Inhaber der Gaststätte Karlshöhe und zuständig für die Ausgabe der Eintrittskarten, Klage darüber, dass besonders bei Festlichkeiten nur eine Person eine Eintrittskarte löst und damit auch den Schlüssel für den Turm erhält, aber ganze Gruppen dann die schöne Aussicht von oben genießen. Man möge doch die Polizeibeamten verstärkt zur Kontrolle einsetzen.


Anteilsscheine

Am 27. Juli 1925 ging ein interessantes Schreiben beim Amt Halver ein. Darin erklärt der Verfasser, dass er erfahren habe, die Gemeinde Halver sei Eigentümerin des Aussichtsturmes geworden und habe deshalb doch auch wohl alle Anteilscheine, die seinerzeit vom Vorstand des SGV ausgegeben worden seien, aufgekauft. Er, der Schreiber, besitze die Anteilscheine Nr. 13, 14, 20 und 21 mit einem Nominalwert von 10 Mark je Stück und bitte nun die Gemeinde Halver, die Scheine nebst Zinsen seit dem Ausstellungsjahr 1897 zu kaufen. Die Gemeinde hat darauf geantwortet, dass der Turm seinerzeit bedingungslos übernommen worden sei und daher kein lnteresse für den Erwerb der Anteilscheine bestehe.

1925 - 1933 geschlossen

Im Juni 1925 muss es mit der Sicherheit im Aussichtsturm wohl sehr schlecht bestellt gewesen sein, denn am 11.6.1925 schrieb der Oberlandjäger Schwarzlose, dass die Treppen sehr schadhaft seien und daher das Besteigen des Turmes mit Lebensgefahr verbunden sei. Schon beim Anblick der Treppen hätten viele Besucher ihre gelösten Eintrittskarten wieder zurückgegeben.

Bei der erforderlichen Besichtigung stellte sich am 17. Juli 1925 heraus, dass Treppen, Podeste und Holzsäulen "stark verfault" waren. Es ging also nur noch um eine Erneuerung der gesamten Treppenanlage. Die Gemeindevertretung lehnte es jedoch am 25. August 1925 ab, die dafür erforderlichen Mittel in Höhe von geschätzten 2.400 Mark bereitzustellen. Der Polizeibeamte Pohlmann erhielt am nächsten Tag den Auftrag, sämtliche Schlüssel, die vom Turm existieren, einzuziehen.

Von Juli 1925 bis August 1933 blieb der Aussichtsturm geschlossen. Während dieser Zeit wurden nur die allernotwendigsten Arbeiten durchgeführt, um einen drohenden Verfall zu verhindern. Mehrere Versuche des SGV und auch des Verkehrsvereins, die Gemeinde Halver zu bewegen, den Turm wieder richtig herzurichten, scheiterten an den nicht vorhandenen Mitteln.

Fond für die Instandsetzung

Etwas Bewegung in die Überlegungen zur Restaurierung kam, als im Oktober 1930 aus den Sparkassenzinsüberschüssen des Jahres 1929 zur Bildung eines Fonds für die Instandsetzung des Aussichtsturmes 2000 RM bewilligt wurden. Dieses Geld, auf einem besonderen Sparbuch angelegt, bildete nun den Grundstock für die Erhaltung des Turmes.

Aber es hat noch bis zum 3. Juli 1933 gedauert, bis die Ausschreibung für die Errichtung einer neuen Treppenanlage und einer damit verbundenen allgemeinen Sanierung des Turmes erfolgte. Alternativ wurde die Treppenanlage dabei sowohl in Holz als auch in Eisenbeton ausgeschrieben. Nach Prüfung der Angebote erhielt die Firma Carl August Brückmann am 22. Juli 1933 den Auftrag, alle Arbeiten einschließlich des Einbaues einer Eisenbetontreppe zu erledigen.

Endlich, endlich...

Die Halversche Zeitung schrieb dazu am 29. August 1933: "Endlich, endlich wird unser Aussichtsturm wieder in einen menschenwürdigen Zustand versetzt. Es hat wirklich reichlich lange gedauert damit. Inzwischen sind auf den Höhen der näheren und weiteren Umgebung verschiedene Aussichtstürme errichtet worden - aber in Halver fand sich für die Ausbesserung des schon vorhandenen Turmes niemals Geld."

Bereits am 6. September 1933 teilte das Bauamt mit, die Arbeiten seien so weit abgeschlossen, lediglich der Anstrich des Geländers fehle noch. Der Aufstieg zum Turm könne freigegeben werden. Die Gesamtkosten betrugen 2.085,82 RM. Im vorhandenen Fond befanden sich 2.456 RM, so dass noch ca. 370 RM übrigblieben. Nachdem alle Arbeiten abgeschlossen waren, sollte auch noch ein Aussichtsfernrohr installiert werden. Die dazu abgegebenen Angebote waren recht gut, aber, da erwartet wurde, dass solch ein Gerät kostenfrei, lediglich zum Werbezweck der Lieferfirma aufgestellt würde, führten die Verhandlungen zu keinem positiven Ergebnis.

Übungen

Dann musste der Turm auch plötzlich für "Übungen" herhalten: So wurde u.a. der Leitung des Motorsturms 12 der Brigade 71 in Köln am 13.10.1933 mitgeteilt: "Für Ihre Übung am 14./15. ds. Mts. stellen wir Ihnen die Benutzung des Aussichtsturmes auf der Karlshöhe frei", oder am 23.6.1934 "?der Nachrichtentrupp der S.A. in Halver darf zu dienstlichen Zwecken den Aussichtsturm auf der Karlshöhe in Halver zu jeder Zeit benutzen."

Im Jahre 1934 mussten schon wieder Ausfugungsarbeiten am Turm verrichtet werden. Die Kosten betrugen 612,25 RM. Das Besondere hierbei war: Der damalige Reichsarbeitsminister bewilligte einen Reichszuschuss für die Instandsetzungsarbeiten in Höhe von 120 RM. Das geschah im Rahmen einer Maßnahme großen Stils, denn durch Gewährung von Zuschüssen bei größeren Instandsetzungsarbeiten sollte Arbeit beschafft und damit Arbeitslosigkeit gemindert werden.

Bis zum Jahre 1938 schwankten die Besucherzahlen etwa zwischen 500 und 1000 Personen pro Jahr.

2. Weltkrieg

Im Jahre 1939, nach Ausbruch des II. Weltkrieges, wurde oben im Turm ein  Beobachtungsstand eingerichtet. Für Pfosten und Bretter zahlte die Gemeinde 90,58 RM. Die Aufsichtsbehörde ließ weitere Arbeiten durchführen. Ein Ofen musste beschafft werden, Fenster und Türen erhielten bessere Absicherungen.

Dazu wurde der Wachraum mit elektrischem Licht ausgestattet. Am 26. Februar 1941 heißt es dann "Nach Abgang des Schnees und Eintritt trockener Witterung muß der Posten bezogen werden." Es galt vor allem, Brände zu melden und Flugbewegungen feindlicher Flugzeuge zu beobachten.

Ja, diese Flugbewegungen waren schon bald reichlich zu beobachten. Bei Tage, aber besonders nachts, wenn die so genannten "Pfadfinder" Leuchtpatronen an Fallschirmen absetzten, die wie Christbäume aussahen. Diese wiesen den Bombergeschwadern dann den Weg und das Ziel. Wenn dann in den Richtungen Ruhrgebiet oder nach Köln oder Wuppertal der Himmel sich glutrot färbte, konnte man ahnen, welch ungeheures Leid die von den Flugzeugen abgeworfenen Lasten an Brand- und Splitterbomben über die Menschen brachte.

Kurz vor Kriegsende hätte eine Bombe auch fast den Aussichtsturm getroffen. Auf halber Strecke zwischen Turnhalle und Turm traf sie auf die heutige Frankfurter Straße. Beim Einmarsch der Amerikaner am 12. April 1945 ist der Aussichtsturm dann doch noch beschädigt worden. Die heranrückenden Truppen haben ihn wohl als Zielscheibe benutzt, denn eine Granate und viele kleinere Geschosse haben große Schäden verursacht. Die Fenster waren alle zerschossen.

Sanierung in den 50ern

Durch die allgemeine Not nach dem Kriege galt es zunächst, die dringendsten und lebensnotwendigen Bedürfnisse zu befriedigen. Der Aussichtsturm blieb zunächst sich selbst überlassen. Für eine Wertfortschreibung im Januar 1950 war es notwendig, den Zustand des Turmes zu beschreiben. ln einer Notiz dazu heißt es am 16. Januar 1950: "Das Umfassungsmauerwerk ist durch Granatvolltreffer zu 25 % beschädigt. Sämtliche Fenster und Türen sind zerstört."

Doch schon bald waren die ärgsten Schäden beseitigt, denn ab 1. Mai 1951 konnten wieder Karten an Turmbesucher verkauft werden. Einer Abrechnung von Herrn Wilhelm Peters ist zu entnehmen, dass im Jahr 1951 1.418 Kinder und 1.450 Erwachsene den Turm bestiegen haben. Hinzu kamen noch die Kinder einiger Schulklassen, die zu ermäßigten Preisen den Turm besteigen konnten, um "Heimatkunde zu betreiben".

Am 21.Juni 1952 stellte ein Besucher fest, dass ein Betreten des oberen Podestes mit Lebensgefahr verbunden sei. ln ununterbrochener Folge waren immer wieder Reparaturarbeiten durchzuführen. Manches konnte von der Gemeinde mit eigenen Kräften erledigt werden.

Ein sehr erfreulicher Zeitabschnitt begann, als die 1956 neu gegründete Jugendgruppe des SGV sich intensiv um den Aussichtsturm bemühte. Mit viel Eifer haben die Mädchen und Jungen fast ein Jahrzehnt lang den Turm betreut. Als Anfang der 60er Jahre das Außenmauerwerk von einer Baufirma gründlich überholt wurde, haben die Jung-SGVer kräftig mitgeholfen, den Turm im lnnern wieder schön zu gestalten.

Die Besucher und vor allem Wanderer freuten sich immer, wenn die Landesfahne auf dem Turm flatterte, denn dann waren die Jung-SGVer anwesend; der Turm konnte also bestiegen werden. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade während dieser Betreuungszeit hohe Besucherzahlen festzustellen waren.

Längere Zeit blieb es dann ziemlich still um den Aussichtsturm, abgesehen von einigen Aktivitäten. So hat u.a. die Funkerjugend von Halver in einer Nacht oben vom Turm aus manche Funkverbindung in die weite Welt hergestellt.

80er Jahre - erneut Schäden

Zu Beginn der 80er Jahre waren wieder umfangreiche Schäden am Außenmauerwerk festzustellen. Auswärtige Firmen stellten in Gutachten fest, dass sich der Turm in einem desolaten, z.T. gefahrdrohenden Zustand befand. Eine erste Kostenschätzung ergab eine Summe von 210.000 DM. Diese Summe stand natürlich nicht sofort zur Verfügung.

Eine wichtige Entscheidung fiel im Januar 1983. Seit dem 28.01.1983 ist der Turm gem. § 3 Denkmalschutzgesetz in die Denkmalliste eingetragen und steht damit unter Denkmalschutz. Wichtig ist, dass ab diesem Zeitpunkt Mittel in Form von Zuschüssen zu den Kosten, die bei der Erhaltung bzw. Restaurierung des Gebäudes entstehen, beantragt werden können.

Doch zunächst zeichnete sich noch keine Lösung ab. Im Jahre 1984 weist der Haushaltsplan der Stadt Halver für den Turm lediglich 683 DM für die allernötigsten Arbeiten aus. Im Januar 1984 plädierten alle Mitglieder des Ausschusses für Freizeitanlagen für die Erhaltung des Turmes.

Auch andere Gruppen wie SGV, Verkehrsverein und auch verschiedene andere Vereine drängten darauf, das traurige Bild, das der Turm nun bot, zu verändern. Allmählich nahmen die Vorstellungen für die Restaurierung konkrete Formen an. Neueste Schätzungen ergaben im Januar 1985 Sanierungskosten in einer Größenordnung von ca. 250.000 DM. Nun galt es, alle Möglichkeiten der Finanzierung auszuschöpfen, wenn man erreichen wollte, dass zum 100-jährigen Bestehen ein rundum erneuerter Turm die Besucher wieder erfreuen sollte.

Wille der Halveraner das Wahrzeichen zu erhalten

Man spürte förmlich, wie die Bevölkerung von Halver bereit war mitzuhelfen. Nachdem schon der Wasserturm am 21. Mai 1977 gesprengt worden war, wollte man nicht noch ein weiteres Wahrzeichen verlieren. Da sich schon früh abzeichnete, dass noch eine große Finanzierungslücke bestand, wurde nun eifrig gesammelt. Bei allen sich bietenden Gelegenheiten bemühte sich der Vorsitzende des Verkehrs- und Heimatvereins darum, wieder ein bisschen Geld lockerzumachen. Er lief dabei meist offene Türen ein. Viele Vereine halfen kräftig mit. Das Fanfarencorps Landsknechte Halver, das bei mehreren Aktionen Geld sammelte, sei hier stellvertretend für andere Vereine genannt. Eine 500,-DM-Spende von Turm zu Turm wurde als Beitrag vom Erlös des Kirchweihfestes 1987 von der katholischen Kirchengemeinde überreicht. Auch die CDU Ortsunion startete anlässlich des Reiterfestes auf der Karlshöhe in zwei aufeinander folgenden Jahren eine besondere Sammelaktion, die mit Turmbesteigungen für die Besucher des Reiterfestes verbunden war und bei der sich in den Sammelbüchsen über 1.000,- DM einsammeln ließen. Die Mitarbeiter der Sparkasse und der Stadt Halver, viele Firmen, Einrichtungen und Verbände, aber auch Privatpersonen spendeten reichlich. Ein heimischer Unternehmer bat an lässlich seines runden Geburtstages darum, statt persönlicher Geschenke einen Obolus für den Aussichtsturm zu geben. Dass dabei über 7.000,- DM zusammenkamen, wurde höflich verschwiegen.

Beginn der Sanierung

Als am 7. November 1990 mit der Aufstellung des Gerüstes zur Sanierung des Turmes begonnen wurde, war die Finanzierung gesichert. Der Vorsitzende des Verkehrs- und Heimatvereins konnte der Stadt Halver mitteilen, dass nunmehr insgesamt rd. 66.200,- DM an Spenden eingegangen waren. Es stand auch fest. dass vom Land ein Zuschuss aus Denkmalförderungsmitteln zu erwarten war.

Die Arbeiten gingen nun zügig voran. Innerhalb von 6 Tagen war der riesige Turm völlig eingerüstet. Schon am nächsten Tag wurde mit der Restaurierung begonnen. Die losen Mauerteile wurden herausgeschlagen und dann durch neue Ziegelsteine ersetzt. Alle Fugen wurden neu aufgefüllt. Gefährlich war es dann am 6. Januar 1991, als bei einem kräftigen Sturm das Turmgerüst wankte. Als bei orkanartigen Böen eine große Blechplatte vom Notdach losgerissen und gegen die Dachrinne des gegenüberliegenden Hauses geschleudert wurde, musste die Feuerwehr Halver Schwerstarbeit leisten, um das übrige Gerüst zu sichern. Die Frankfurter Straße musste zwischen Einmündung Thomasstraße bis zum Abzweig Richtung Oberbrügge an der Karlshöhe von der Polizei für Stunden gesperrt werden. Die Umleitung erfolgte durch das Volmetal.

Bis zum Sommer 1991 dauerte die Restaurierung des Mauerwerks. Am 4. Juli war der Abbau des Gerüstes beendet. Nachfolgende Malerarbeiten im Inneren des Turmes und an Fenstern und Türen rundeten das jetzt wieder recht positive Bild ab. Damit nicht wieder so schnell Feuchtigkeit in das Bauwerk eindringen kann, wurden auf der Plattform Betonplatten angebracht. Die obere Brüstung und die vorspringenden Gesimse bekamen eine Kupferblechabdeckung. So kann der Turm gut gerüstet in das nächste Jahrhundert gehen.

Fest zur Wiedereröffnung

Die offizielle Turmeröffnung erfolgte am 19. Juni 1992. Um 11.17 Uhr hissten SGV Vorsitzender Horst Wilhelm Klauke, Verkehrs und Heimatvereinsvorsitzender Günther Vahlefeld und Brigitte Hilgert nach 27 Jahren als sichtbares Zeichen dazu wieder eine Fahne.

Am 25. September 1992 fand eine kleine Feier zur gelungenen Sanierung statt. Dabei wurden u.a. auch die aufgewandten Mittel erwähnt, durch die der Turm wieder ein stattliches Aussehen erhalten hat. Insgesamt wurden ca. 285.000,- DM aufgewendet. Aus Landesmitteln für Denkmalpflege konnten 90.000,- DM beigesteuert werden. Aber ganz entscheidend war, dass die Bürgerinnen und Bürger von Halver durch ihre Spendenaktionen 77.000 DM aufgebracht und dadurch ihre Verbundenheit zum Aussichtsturm gezeigt haben. Zur Krönung des Abends wurde der Turm dann "ins rechte Licht gerückt". Mit Fanfarenklängen wurde ein kleines Feuerwerk angekündigt. Seit diesem Zeitpunkt wird der Turm auch weithin sichtbar allabendlich angestrahlt. Wie viele Menschen aus der Umgebung mögen wohl abends darauf warten, "ihren Turm" sehen zu können.

Ein Zitat von Justus Schellewald

Wie schrieb Schellewald an lässlich der Einweihung des Aussichtsturmes vor 100 Jahren? "Lassen wir unseren Blick über das herrliche Land schweifen, das sich im sonnigen Glanze vor uns ausbreitet, dann taucht unwillkürlich die Frage nach seiner Vergangenheit in uns auf, nach den wechselnden Schicksalen, die an ihm vorübergegangen sind. Zahlreiche Erinnerungen aber knüpfen sich gerade an diese Stelle, auf der sich der Turm erhebt."
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