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Wilhelm Hasencelver

* 19.04.1837 in Arnsberg
† 03.07.1889 in Berlin


Politiker, Publizist, Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), Mitherausgeber des "Vorwärts"

Gründergeneration der deutschen Sozialdemokratie

Wilhelm Hasenclever gehört wie seine prominenten Mitstreiter Wilhelm Liebknecht und August Bebel zur Gründergeneration der deutschen Sozialdemokratie. Hasenclevers Eltern stammten aus Halver. Der Vater war hier Hammerschmied, bevor er etwa um 1830 in Arnsberg eine Lohgerberei gründete. Die Mutter, Helene vom Dahl, war eine Halveraner Bauerntochter.

Handwerker

Nach der Teilnahme am preußischen Krieg gegen Österreich zog es Wilhelm Hasenclever 1866 in den Heimatort seiner Eltern. Einige Jahre leitete er in Halver die Lohgerberei seiner Schwester, Mathilde Schürmann. Im Gerberhandwerk kannte sich Hasenclever aus, denn er hatte im väterlichen Betrieb eine einschlägige Lehre absolviert. Wie damals üblich, ging er nach Abschluss der Berufsausbildung für mehrere Jahre auf Wanderschaft. Seine Einblicke in die Sorgen und Nöte der abhängig Beschäftigten sensibilisierten den jungen Handwerker für soziale Probleme. Schon früh prägten diese Erfahrungen seine spätere politische Einstellung und sein lebenslanges Wirken für die Arbeiterklasse.

ADAV - Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein

1862 gab Hasenclever die handwerkliche Tätigkeit auf und wurde Schriftleiter der "Märkischen Volkszeitung" in Hagen. Zwei Jahre später trat er dem von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein bei und wurde 1866 Sekretär des ADAV. Der im gleichen Jahr erfolgte Umzug nach Halver bedeutete für ihn keinen Abschied aus der Politik. Er verstärkte vielmehr seine politische Tätigkeit, gab das Parteiorgan "Der neue Sozialdemokrat" heraus und zog 1869 als Abgeordneter in den Norddeutschen Reichstag ein.

Als Nachfolger von Johann Baptist Schweitzer wurde Wilhelm Hasenclever 1871 zum ADAV-Präsidenten gewählt. Er begann sofort, die Partei neu auszurichten. Das führte, nicht zuletzt unter dem Druck der restriktiven Politik des Reichskanzlers von Bismarck, der die sozialdemokratischen Konkurrenzparteien ADAV und Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) als "Reichsfeinde" betrachtete, zu einer Annäherung beider Organisationen.

SAP - Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands

Unter Hasenclevers Präsidentschaft wuchs der ADAV in den 1870er Jahren auf mehr als 19.000 Parteiangehörige und damit zur stärksten deutschen Arbeiterbewegung. Die Positionen von ADAV und SDAP hatten sich inzwischen einander so angeglichen, dass die Zeit für eine Fusion reif war. So entstand am 27. Mai 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), die sich 15 Jahre später in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannte. Auf dem Gothaer Vereinigungsparteitag wurde Wilhelm Hasenclever zu einem der beiden Vorsitzenden der SAP gewählt.

"Vorwärts"

Gemeinsam mit Wilhelm Liebknecht übernahm Hasenclever 1876 die Herausgabe des neu gegründeten sozialdemokratischen Zentralorgans "Vorwärts" in Leipzig. Von 1874 bis 1888 gehörte Wilhelm Hasenclever dem Deutschen Reichstag an. Durch das vom Reichstag 1878 beschlossene "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" wurde die SAP für zwölf Jahre in den Untergrund gedrängt. Dennoch wuchs sie unter ihren Führungspersönlichkeiten Wilhelm Hasenclever, Wilhelm Liebknecht und August Bebel bis 1890 zur wählerstärksten Partei Deutschlands.

Gefeierter Sprecher der Arbeiter

Über Hasenclevers Wirken in der Zeit nach dem Erlass des "Sozialistengesetzes" schrieb einer seiner Biografen, der Historiker Wilhelm Schulte: "In Berlin, wo Hasenclever den von ihm mitbegründeten Arbeiterbund führte und die Gewerkschaftsbewegung mächtig antrieb, blieb er trotz unablässiger Polizeiverfolgung und zeitweiser Inhaftierung der gefeierte Sprecher der Arbeiter. Sein Name wirkte als beste Propaganda für Versammlungen, um Tausende herbeizulocken."

Freier Schriftsteller

1881 aus Leipzig und 1884 aus Berlin ausgewiesen, lebte Hasenclever danach als freier Schriftsteller in Dessau. Er verfasste verschiedene Abhandlungen zu sozialpolitischen Zeitfragen, aber auch Novellen, Gedichte und Lieder, in denen es immer um die Sache der Arbeiterbewegung ging.

15.000 Arbeiter folgten dem Sarg

Eine heimtückische Krankheit zwang ihn, 1888 sein Reichstagsmandat niederzulegen. Hasenclever starb am 3. Juli 1889, gerade 52 Jahre alt. Bei seiner Beisetzung in Pankow folgten annähernd 15.000 Arbeiter dem Sarg. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer stillen Großdemonstration der Sozialdemokraten für ihren Vorkämpfer.

Posthume Ehrungen

Die SPD ließ später zu Ehren Hasenclevers in Schöneberg eine Gedächtnissäule errichten. Der Sockel trägt die Inschrift: "Dem alten Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht". Die sterblichen Überreste Wilhelm Hasenclevers ruhen heute in einem Ehrengrab auf dem Friedhofspark der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallee in Prenzlauer Berg.

Obwohl es nach seinem Tode lange Zeit still um Hasenclever geworden war, erfuhr er doch immer wieder posthume Ehrungen. So erinnert eine Gedenktafel an dem nach ihm benannten "Wilhelm-Hasenclever-Platz" im Berliner Stadtteil Wedding an den Sozialdemokraten der ersten Stunde. Seit einigen Jahren trägt eine Straße in Treptow seinen Namen. 1987 wurde Hasenclevers Geburtshaus, das in der Altstadt von Arnsberg steht, mit einer Gedenktafel versehen. Auch einem innerstädtischen Platz verlieh die Stadt Arnsberg den Namen ihres prominenten Sohnes.

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