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Dr. Philipp Aronstein

* 04.12.1862 in Halver
† 23.09.1942 in Theresienstadt


Anglist und Didaktiker

Kindheit

Dr. Philipp Aronstein war einer der bedeutendsten Anglisten und neusprachlichen Didaktiker der Weimarer Republik.

Aronstein kam am 4. Dezember 1862 als Sohn "einer alteingesessenen jüdischen Familie" (Quelle: Dr. Reiner Lehberger, Helga Gläser) in Halver zur Welt. Sein Vater, ein Landarzt, erzog seine Kinder in einem liberalen, der Rationalität verpflichteten Geist.

Anglist und neusprachlicher Didaktiker

In einem umfangreichen Schrifttum hat Dr. Philipp Aronstein sich mit literaturhistorischen, sprachwissenschaftlichen und didaktisch-methodischen Fragen der Anglistik und des Englischunterrichts auseinandergesetzt. Seine zweibändige "Methodik des neusprachlichen Unterrichts", die in den Jahren 1921/22 erstmals erschien, seine "Stilistik der englischen Sprache" von 1924, seine "Englische Wortkunde" von 1925 sowie seine literaturhistorische Studie zum "Englischen Renaissancedrama" (1929) waren Standardwerke, die weite Verbreitung in Schule und Unterricht hatten. Neben Levin Schücking galt Philipp Aronstein als wichtigster Vertreter der Literatursoziologie innerhalb der Anglistik.

In vielen wissenschaftlichen Vereinigungen, unter anderem in der "Deutschen Shakespeare- Gesellschaft", im "Allgemeinen Deutschen Neuphilologen Verband", Vorläuferorganisation des heutigen "Fachverbandes Moderne Fremdsprachen", war Philipp Aronstein über Jahrzehnte Mitglied. Am aktivsten war er in der "Berliner Gesellschaft für das Studium der Neueren Sprachen".

Berlin

Seinen Lebensmittelpunkt hatte der Gelehrte seit 1907 in Berlin. Hier unterrichtete er an mehreren höheren staatlichen Lehranstalten, der Luisenstädtischen Oberrealschule, der Fichte Realschule, dem Sophien Realgymnasium, und nach seiner Pensionierung von 1928 bis 1935 am Realgymnasium der Adass Jisrael-Gemeinde.

Nationalsozialismus

Von den Nationalsozialisten als Jude geächtet, erhielt Philipp Aronstein nach 1933 in den neusprachlichen Organen Publikationsverbot, aus den fachwissenschaftlichen Verbänden wurde er vertrieben, seine Werke standen auf Verbotslisten und wurden makuliert. Im September 1942, als 79-Jähriger, wurde er zusammen mit seiner Frau Luise nach Theresienstadt deportiert, wo er zwei Wochen nach seiner Ankunft (am 23. September 1942) starb. Seine Frau Luise wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Zunächst in Vergessenheit geraten...

Nach 1945 ist das Schicksal des Gelehrten von den Fachkollegen zunächst verdrängt worden und später in Vergessenheit geraten. Auf dem 1988er-Kongress des "Verbandes Moderne Fremdsprachen" hat Reiner Lehberger, Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, mit einer Ausstellung zum ersten Mal wieder an Philipp Aronstein erinnert. Damals schrieb der ehemalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski: "Philipp Aronstein gehört zu jenen deutschen Juden, die in einer ganz bestimmten Generation in ihren Fächern Hervorragendes geleistet hatten, in der nationalsozialistischen Schreckenszeit den Undank der Nation in tragischer Weise erfahren mussten, und noch weit über ihren Tod hinaus der Strafe der Vergessenheit anheimgefallen sind."